Die aktuelle Trainingssituation aus sportwissenschaftlicher Sicht

In der Triangulation von Training, Wettkampf und Leistungsfähigkeit bedingen sich die drei Bereiche gleichermaßen. Dabei ist Training die planmäßige und systematische Realisation von Maßnahmen zur nachhaltigen Erreichung von Zielen im und durch Sport. Training schafft somit die Voraussetzung der Leistungsfähigkeit für den sportlichen Wettkampf.

Dies bedingt wiederum den Anspruch an die Leistungsvoraussetzung und ist Grundlage für die Trainingsinhalte. Diese Bedingungsstruktur beleuchten wir und analysieren die Konsequenzen.

Viele Weltklasseathleten hatten bis vor einigen Wochen die olympischen Spiele, in Tokyo, als Ziel im Auge. Die Basketball – und Handball-Bundesliga ist beendet oder unterbrochen, ebenso die Fußball-Bundesliga, wobei hier die Auflagen für ein Gruppen-Training gelockert wurden. Erste Erfahrungen eines auf Abstand geregelten Kleingruppen-Ballzuspielens inkl. Kopfballverbot, liegen vor, die Geisterspiele können also kommen. Im Eishockey wurde wegen des Fehlens der amerikanischen Spieler, die sich sofort nach der Androhung der Grenzschließung auf den Weg nach Hause machten, der Ligabetrieb final eingestellt. Auch im Volleyball wurde die Saison direkt beendet. Ein Ausnahmezustand im professionellen Sport, der so in der Neuzeit einmalig ist.

Es fehlt das Trainingsziel

Im Sinne eines systematischen Aufbaus der sportlichen Leistungsfähigkeit, ist es wie im Lernen oder Entwickeln von Fertigkeiten; es geht immer vom Allgemeinen zum Speziellen. Wenn man auf einem Niveau verharrt, also keine weitere Progression (Steigerung) des Umfangs, der technomotorischen oder spieltaktischen Trainingsinhalte vornimmt, verringert sich das Leistungsniveau. In der klassischen Annahme des trainierenden Individuums, steigert man systematisch das Leistungsniveau durch unterschiedliche Strategien (linear, wellenförmig, nicht-linear) bis hin zum Wettkampf. Darüber hinaus geht man davon aus, dass die sportliche Form, die die Voraussetzung für den Gewinn des Wettkampfes abbildet, nur kurz zu halten ist. Müssen mehrere Wettkämpfe in einem Zeitraum durchgeführt werden, steigert man von Wettkampf zu Wettkampf seine Form. In den Sportspielen ist dies anders. Es wird in der Vorbereitung ein bestimmtes Niveau einer Form aufgebaut und während der Runde versucht man einerseits die Form zu halten, die Schnelligkeit zu stabilisieren und die Ermüdung zu reduzieren. Jede freie Zeit, die länger als eine Woche dauert, vertieft dann diese Inhalte: längere Regenerationsphase, höhere Trainingsintensität, tiefergehende taktische Inhalte und Vorbereitung.

Fehlt die Voraussetzung, nämlich der nächste Wettkampf, fehlt die Vorgabe der zeitlichen und inhaltlichen Leistungssteigerung.

Es fehlt das Trainingsumfeld!

Natürlich fehlt in dieser Zeit nicht nur der Wettkampf, sondern in der Regel auch das gewohnte Trainingsumfeld!

In Zeiten einer räumlichen Trennung von Trainern und Athleten durch die verordnete Kontaktsperre, ist ein regulärer Trainingsbetrieb unmöglich. Das bedeutet neben der organisatorischen Umsetzung von Trainingsinhalten vor allem jene Trainingsübungen, die den speziellen Gegenstand, den der Wettkampfübungen. Im Fußball sind hier vor allem zwei Übungsformen betroffen, die weltweit zu jedem Trainingsbetrieb gehören, das Ecke-Spiel (Tiki-Taka, Rondo) und die sogenannten Short-Sided-Games (SSG). Beide simulieren in besonderer Form Teile des sportlichen Spiels und fördern sowohl konditionelle, technomotorische und auch spieltaktische Fertigkeiten.

In den Individualsportarten sind das für die Leichtathleten die speziellen Voraussetzungen der Laufbahn, der Stabhochsprunganlage und für die Schwimmer das Wasser in Längen, die über die Badewanne hinausgehen.

Das Resultat ist, dass Trainer über nicht-analoge Medien mit ihren Athleten bzw. Spielern Kontakt unterhalten, was bei nicht übungsbezogenen Inhalten, wie bspw. der Psyche durchaus förderlich ist. Die einzigen Trainer, die im Moment inhaltlich arbeiten sind die sog. Fitness-, Reha-, Konditions- oder auch Athletiktrainer. Wenn in der aktuellen Situation eine Belastung individuell messbar gemacht werden kann, hat man in dieser Zeit zumindest grundlegende Werte, um die konditionellen und psychischen Belastungen zu erfassen.

Das Problem, das im Moment bleibt, ist die fehlende trainingsmethodische Nähe zum Gegenstand des Sports: der technomotorischen Anforderung des Wettkampfes.

Konsequenzen für den aktuellen Trainingsbetrieb

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass aktuell der systematische Aufbau einer Wettkampfform nicht gegeben sein kann. In der aktuellen Situation erhoffen sich die Trainer, dass sie, bevor es mit den Ligaspielen weiter geht, einen Zeitraum von zwei Wochen bekommen, um die Mannschaft auf den Spielbetrieb vorzubereiten. Zwei Wochen wäre einerseits das Minimum, in der Hoffnung, dass die Spieler viele Fertigkeiten konservieren konnten. Andererseits sind zwei Wochen das Maximum, da man befürchtet, immer näher an die kommende Saison zu rücken.

Unter dem zweiten Punkt wird zusammengefasst, dass wenn ein Training unter regulären Intensitäten und Umfängen stattfinden könnte, das Setting nicht dem Mindestannahmen des Standards entspricht. Somit fehlt ein weiterer Punkt der Randbedingungen für ein systematisches Training.

Sportler und Sportlerinnen sowie deren Trainer*innen hängen aktuell in der Luft. In den Individualsportarten, bei denen Hauptwettkämpfe ins Jahr 2021 verschoben wurden, werden gerade lange Regenerationsphasen eingebaut und vor allem die Grundlagen geschaffen, um mit einem langfristig geplanten Trainingsaufbau zu starten. Verletzte und nicht-nominierte Sportler sehen die aktuelle Phase als Chance an und arbeiten an ihrer Rehabilitation.

In allen angesprochenen Settings kann keine wettkampfgerechte Situation geschaffen werden oder in den für die Sportarten notwendigen Anlagen trainiert werden. Dadurch, dass die Anforderungen für jeden Sportler, in der aktuellen Situation, noch nicht Mal ansatzweise dem Niveau oder dem Trainingsziel gerecht werden, sollte gerade jetzt, auf Trainingsparameter geachtet werden, die sonst weniger Beachtung finden.

Auf Grund der Kontaktsperre oder dem reduzierten direkten Austausch von Trainer*innen und Athlet*innen, eignen sich vor allem Feedbacksysteme, um die fachgerechte Kommunikation zwischen Sportler und Athlet zu ermöglichen.

Der Mindeststandard, den diese Monitoringsystemen erfüllen sollten, besteht in der Aufnahme aller relevanten situationsadäquaten Belastungsparameter und der automatischen Weitergabe an die zuständigen Trainer*innen. Je nach Disziplin, betrifft dies unterschiedliche Belastungsnormativa. Um die resultierende Beanspruchung zu interpretieren, ist die Herzfrequenz allein ungenügend. Eine von einem Trainer*innen getätigte Aussage wie: „Manche Spieler meinen, dass das Konditionstraining in der Corona Phase anstrengender sei, als das normale Training“ ist ein Statement, das im Profisport überprüfbar sein sollte. Für ein umfassende Betrachtung eines Beanspruchungs-Regenerations-Konzepts, sollten neben objektiv messbaren Daten, auch subjektive Selbsteinschätzungen mitberücksichtigt werden.

Als hochwertiger Standard sollten folgende Größen in einem Feedback-System integriert werden:

Objektive Belastungsparameter:

HF-Verlauf über den Tag

HF-Verlauf und RR-Verlauf (Herzratenmessung) über die Trainingseinheit

Trainingsparameter wie Umfang, Intensität, Leistung, Geschwindigkeit etc.

Objektive Schlafparameter:

Schlafzyklen, -qualität und ihre Dauer

Objektive Regenerations- und Erholungsparameter

SDNN, rMSSD, Stress, Stressdauer

Subjektive Beanspruchungsparameter:

RPE, Stress, Muskelmüdigkeit etc.

Subjektive Erholungsparameter:

Erholungsgrad, Schlafempfinden, Frische etc.

Erst in der nahezu ganzheitlichen Messung dieser Parameter, kann trotz der signifikanten Situation, mit dem geeigneten Tool, eine umfängliche Messung des aktuellen Fitnessstands der Athleten*innen stattfinden. Mit implays werden alle Anforderungen an eine hochwertige Fernbetreuung von Athleten*innen, jedes Fitnesslevels erfüllt!

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