KIM und TI im Praxisalltag: Erfahrungen aus einer Hausarztpraxis
Christina Stuhr, leitende medizinische Fachangestellte in der Hausarztpraxis Rhen am Markt in Henstedt-Ulzburg
KIM und TI im Praxisalltag: Erfahrungen aus einer Hausarztpraxis
Wie gestaltet sich die Arbeit mit dem KIM-Dienst und anderen Funktionen der Telematikinfrastruktur (TI) im Praxisalltag? Um das herauszufinden, haben wir mit Christina Stuhr gesprochen, die als leitende medizinische Fachangestellte in der Hausarztpraxis Rhen am Markt in Henstedt-Ulzburg arbeitet. Ihr Fazit nach fast zwei Jahren bei AKQUINET: Es ist vor allem der konkrete Nutzen im Praxisalltag, der darüber entscheidet, ob Digitalisierung als Entlastung wahrgenommen wird.
Seit dem Wechsel des Praxisverwaltungssystems im Juni 2024 und der Zusammenarbeit mit AKQUINET arbeitet das Praxisteam mit eingespielten Abläufen. Technische Schwierigkeiten bleiben die Ausnahme und lassen sich bei Bedarf unkompliziert klären. „Grundsätzlich haben wir jemanden von unserem Softwarehaus, der bei Problemen mit dem Konnektor und dem KIM-Dienst ansprechbar ist“, berichtet Stuhr.
KIM-Nachrichten können alle bearbeiten
Beim Arbeiten mit der TI ist die Benutzerfreundlichkeit ein entscheidender Punkt für das Team. Das aktuelle Praxisverwaltungssystem T2med sei übersichtlich aufgebaut und der Umgang mit dem KIM-Dienst schnell erlernbar. So werden KIM-Nachrichten zentral angezeigt und können von jeder Mitarbeiterin bearbeitet werden. „Das machen bei uns alle. Wer gerade Zeit hat, kümmert sich darum“, so Stuhr. Das entlastet den Praxisalltag spürbar.
eRezept ist sehr einfach und komfortabel
Besonders positiv bewertet das Team die Nutzung der eRezepte. Wenn ein Patient beispielsweise im Urlaub ist und merkt, dass er ein Medikament vergessen hat, reicht ein Anruf in der Praxis und das Rezept kann direkt auf die Gesundheitskarte geschickt werden, sofern diese im aktuellen Quartal bereits einmal eingelesen wurde. „Ich muss dann nicht fragen, zu welcher Apotheke ich das Rezept faxen soll und kann dem Patienten sagen: das können Sie sich auch in München holen“, erklärt Stuhr. „Das erspart uns natürlich viel Arbeit und ist super praktisch.“
Videosprechstunde entlastet die Praxis
Ein weiterer Punkt, an dem sich die Digitalisierung auf positive Art und Weise im Arbeitsalltag bemerkbar macht, ist die Videosprechstunde, die in der Praxis seit der Coronapandemie angeboten wird. Diese werde vom Großteil der Patientinnen und Patienten dankend angenommen: „Die meisten finden das sehr angenehm und grundsätzlich haben wir in der Videosprechstunde eine sehr breite Alterspanne. Von 18 bis 80 Jahren ist alles dabei.“ Neben mehr Komfort für die Patienten führt sie auch zu weniger Infektionen in der Praxis und einem geringeren Krankenstand im Team.
Nicht alle TI-Prozesse laufen technisch schon rund
Gleichzeitig gibt es jedoch auch Herausforderungen im Praxisbetrieb, vor allem dort, wo die TI noch nicht alle Versorgungsrealitäten abbildet. Probleme entstehen etwa bei Patientinnen und Patienten mit freier Heilfürsorge, wie Beamtinnen und Beamte von der Polizei oder Feuerwehr, da diese noch nicht vollständig an die TI angebunden sind. Bei der Verarbeitung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für diese Patienten kann es im System zu Fehlermeldungen kommen, da automatisch versucht wird, die AU über den KIM-Dienst zu versenden. Auch bei Privatpatienten stößt die Digitalisierung aktuell teilweise noch an technische Grenzen. „Es gibt die ein oder andere Privatkasse, die anbietet, Rezepte über eine App hochzuladen, aber das können wir technisch zum Beispiel noch gar nicht“, erklärt Stuhr.
Wünsche an die TI
Potenzial zur Weiterentwicklung sieht die leitende medizinische Fachangestellte auch in anderen Bereichen der TI: Beispielsweise was digitale Verordnungen für Heil- und Hilfsmittel angeht, eine bessere Anbindung der Pflegeheime oder die Möglichkeit, mehr Dateiformate direkt in der elektronischen Patientenakte (ePA) abzulegen. Aktuell müssen Dokumente wie Laborwerte oft manuell in PDFs umgewandelt werden – ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der sich vermeiden ließe. „Es wäre schön, wenn jedes Format hochgeladen werden könnte“, so Stuhr.
Die Umstellung auf digitale Prozesse lohnt sich
Prinzipiell steht sie der Digitalisierung im Medizinwesen jedoch positiv gegenüber: „Grundsätzlich wäre es natürlich einfacher, wenn alles über die Telematik laufen könnte.“ Ihr Rat an skeptische Praxen ist eindeutig: Die Umstellung mag ungewohnt sein, lohnt sich aber. „Wenn man sich einmal damit beschäftigt hat, ist es gar nicht so viel.“ Entscheidend seien vor allem ein zuverlässiges System und ein guter Support. „Unser Systemhaus T2med hat AKQUINET empfohlen. Wir arbeiten jetzt fast zwei Jahre mit dem System und ich kann an einer Hand abzählen, wo mal nichts funktioniert hat. Prinzipiell war immer alles innerhalb von maximal einer Stunde gelöst.“
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist kein Selbstläufer, aber im Praxisalltag angekommen. Wenn Technik, Support und Prozesse zusammenspielen, wird aus der TI kein Hindernis, sondern eine Entlastung sowohl für Praxen als auch für Patientinnen und Patienten.
Ihr Ansprechpartner
Dr. Ralf Gieseke
Geschäftsführer
Beratung