Ein Jahr Telematikinfrastruktur im Pflegealltag: Erfahrungen aus dem Stadtdomizil Hamburg
Dan Lingenberg
Telematikinfrastruktur
Beratung
Auf einen Blick:
Erfolgreich an die TI angebunden: Das Stadtdomizil Hamburg nutzt die Telematikinfrastruktur seit August 2025.
Weniger Aufwand im Pflegealltag: KIM ermöglicht eine papierlose Medikamentenbestellung und spart Zeit und Ressourcen.
Mit Erfahrung zum Roll-out: Die schrittweise Einführung hat sich bewährt. Die Erkenntnisse daraus kommen nun weiteren Standorten zugute.
TI mit weiterem Potenzial: Damit digitale Anwendungen ihren vollen Nutzen entfalten, müssen sie von allen Beteiligten konsequent eingesetzt werden.
Tina Eisberg ist bei der Frank Wagner Holding für die Anwendungsbetreuung und Datenschutzkoordination zuständig. Zudem betreut sie die Anbindung von Pflegeeinrichtungen an die Telematikinfrastruktur (TI). Eine der Einrichtungen ist das Stadtdomizil in Hamburg, das mit Unterstützung von AKQUINET an die TI angebunden wurde.
Gut ein Jahr nach der Anbindung haben wir bei Tina Eisberg nachgefragt: Wie verlief die Einführung der TI? Und welche Veränderungen bringen KIM, E-Rezept und elektronische Patientenakte (ePA) im Pflegealltag mit sich?
Frau Eisberg, das Stadtdomizil ist seit etwas über einem Jahr an die Telematikinfrastruktur angebunden. Wenn Sie an die Anbindung zurückdenken: Hatten Sie Bedenken oder sind Sie offen an das Thema herangegangen?
Von der TI hatten wir tatsächlich schon deutlich früher gehört. Wir haben allerdings zunächst abgewartet, bis das TI-Gateway verfügbar war, da wir uns keinen Einbox-Konnektor in die Einrichtung stellen wollten. Als es dann so weit war, sind wir offen an das Thema herangegangen. Dabei haben wir uns bewusst keinen Druck gemacht, alle elf Standorte sofort anzubinden.
Wie haben Sie das Thema an die Kolleginnen und Kollegen herangeführt?
Die Pflegekräfte wollen für ihre Patient*innen, für ihre Bewohner*innen da sein. Am Rechner sitzen sie kaum, dort muss es einfach laufen. Deshalb ist es uns wichtig, neue Prozesse erst dann in die Einrichtungen einzuführen, wenn wir sie selbst erprobt haben und sicher sind, dass sie funktionieren. Sonst kann es zu Frustration kommen und dazu, dass doch wieder alte Prozesse genutzt werden. Es ist wichtig, regelmäßig vor Ort sein. Wir haben zum Beispiel einen Jour Fixe. Alle zwei Wochen bin ich in der Einrichtung und gucke mir alle Probleme auch in den Wohnbereichen an. Die Pflegekräfte können mich jederzeit anrufen, wenn sie Fragen haben.
Sie arbeiten nun ein Jahr mit der TI. Was ist Ihrer Meinung nach der größte Vorteil, den man im Arbeitsalltag merkt?
Der größte Vorteil ist für uns ganz klar die Zeitersparnis durch KIM. Der Medikationsbestellprozess läuft inzwischen vollständig papierlos. Damit kommen wir auch zum zweiten Vorteil: Neben der Zeit sparen wir eine Menge Papier, vor allem bei der Bestellung über KIM. Die ePA, wenn sie genutzt wird, ist auch sehr praktisch. Gerade im Hinblick auf die Versorgungssicherheit bietet sie große Vorteile. Aber hier gibt es leider noch das Problem, dass sie noch nicht von allen genutzt wird.
Sie haben für jeden ihrer fünf Wohnbereiche eine KIM-Adresse, eine für die Verwaltung und noch eine generelle für das Stadtdomizil. Hatten Sie das von Anfang an so geplant oder haben Sie erst mit einer KIM-Adresse gestartet und dann erweitert?
Wir haben erst einmal klein angefangen mit einem Wohnbereich und da bin ich auch im Nachhinein sehr froh drüber. Danach hat die Verwaltung eine KIM-Adresse bekommen. Als das gut lief, haben wir die anderen Wohnbereiche angebunden. Beim nächsten Haus werden wir direkt alle Wohnbereiche gleichzeitig anbinden. Wir haben mit dem Stadtdomizil zunächst eine Art Blaupause geschaffen, von deren Erfahrungen die anderen Einrichtungen nun profitieren können.
Nutzen Sie KIM auch innerhalb Ihrer Software oder haben Sie einen externen Mailclient, in dem Sie die KIM-Adressen nutzen?
Beides. Im Stadtdomizil arbeitet die Verwaltung mit KIM über Outlook, während KIM in der Pflege direkt in das Primärsystem integriert ist, da Prozesse wie die Medikamentenbestellung dort automatisch im Hintergrund ablaufen. Für die Kolleg*innen aus der Verwaltung ist es praktischer, KIM in einem Mailprogramm nutzen zu können, weil sie beispielsweise viele Anhänge versenden oder mit Krankenkassen kommunizieren. Die Kolleg*innen möchten deshalb auch künftig bei Outlook bleiben, anstatt mit zwei verschiedenen E-Mail-Programmen arbeiten zu müssen.
Wie beschreiben Sie die Zusammenarbeit mit AKQUINET?
Die Zusammenarbeit ist wirklich gut. Ich finde es besonders gut, dass man den Self-Service hat und wir dadurch selbstständig KIM-Adressen anlegen können.
Im Grunde genommen müssen wir nur ganz wenige Informationen austauschen, damit es funktioniert. Und wenn die Anbindung geschafft ist, dann läuft es reibungslos. Technische Probleme hatten wir bislang überhaupt nicht: Die TI läuft durchgängig, wir haben noch nie eine KIM-Nachricht nicht senden können und wir hatten auch nie das Problem, dass wir auf die ePA nicht zugreifen konnten.
Gibt es etwas innerhalb der TI, dass Sie sich wünschen oder wo Sie Verbesserungsbedarf sehen?
Uns fehlen in der Pflege noch einige Schritte. Für uns wäre vor allem schön, wenn irgendwann wirklich alles hochgeladen wird und wenn wir uns so auf den elektronisch gestützten Medikationsprozess in der ePA verlassen können, dass wir unseren eigenen lokalen gar nicht mehr bräuchten. Im Moment arbeiten wir da nämlich noch parallel. Das haben wir auch schon an die gematik kommuniziert und hoffen, dass das in Zukunft auch so umgesetzt wird. Was KIM angeht, wünsche ich mir eigentlich nichts. KIM ist echt super.
Man hat seine kleinen Schwierigkeiten, aber die TI entwickelt sich weiter. Man muss von Anfang an dranbleiben und den Weg mitgehen. Denn wenn die Prozesse erst einmal etabliert sind, läuft es reibungslos.
Ihr Ansprechpartner
Dan Lingenberg
Telematikinfrastruktur
Beratung