TI 2.0 im Fokus: Welche Rolle die GesundheitsID in der TI von morgen spielt
Janos Frank
Telematikinfrastruktur
Beratung
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens wird oft mit Anwendungen wie dem E-Rezept oder der elektronischen Patientenakte verbunden. Doch hinter diesen Anwendungen entsteht derzeit eine tiefgreifendere Veränderung: die Transformation der Telematikinfrastruktur zur TI 2.0. Eine zentrale Rolle spielt dabei die GesundheitsID.
Was auf den ersten Blick wie ein einfacher digitaler Login erscheint, ist in Wirklichkeit ein entscheidender Baustein für die zukünftige Architektur der TI.
Die GesundheitsID: Bereits seit 2024 verfügbar
Eigentlich ist die GesundheitsID keine Zukunftsmusik mehr. Gesetzliche Krankenkassen sind bereits seit dem 1. Januar 2024 verpflichtet, ihren Versicherten auf Wunsch eine digitale Identität bereitzustellen. Versicherte können damit per Smartphone und ohne physische Gesundheitskarte beispielsweise ihre elektronische Patientenakte und eRezepte einsehen. Die GesundheitsID fungiert dabei als digitale Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Statt Karten zu stecken oder zusätzliche Hardware zu verwenden, erfolgt die Authentifizierung digital und mobil.
Damit ist die GesundheitsID bereits heute ein realer Bestandteil der Telematikinfrastruktur – auch wenn ihre Nutzung im Alltag vieler Versicherter bislang noch eher zurückhaltend ausfällt.
Warum die GesundheitsID eng mit der TI 2.0 verbunden ist
Obwohl die GesundheitsID formal schon existiert, entfaltet sie ihre eigentliche Bedeutung erst im Rahmen der TI 2.0. Denn die aktuelle TI basiert in vielen Bereichen noch auf einer vergleichsweise hardwarezentrierten Architektur: Kartenterminals, Konnektoren und physische Ausweise spielen weiterhin eine zentrale Rolle. Die TI 2.0 verfolgt dagegen ein anderes Zielbild: flexibler, mobiler und stärker softwarebasiert.
Genau hier setzt die GesundheitsID an. Die gematik bezeichnet digitale Identitäten ausdrücklich als einen wesentlichen Schritt hin zur „karten- und hardwareunabhängigen Zukunft der TI“. Die GesundheitsID ist damit nicht nur eine zusätzliche Komfortfunktion, sondern ein Fundament der neuen Infrastruktur.
Neue Möglichkeiten für Versorgung und Mobilität
Die strategische Bedeutung der GesundheitsID zeigt sich besonders bei zukünftigen TI-2.0-Diensten wie „Proof of Patient Presence“ (PoPP) oder VSDM 2.0.
Versicherte sollen sich in Praxen oder bei mobilen Versorgungsszenarien nicht mehr zwingend über das Stecken der eGK identifizieren müssen. Stattdessen kann die GesundheitsID genutzt werden, um einen Behandlungskontext digital nachzuweisen.
Das eröffnet neue Möglichkeiten:
- digitale Check-ins in Praxen
- vereinfachte Videosprechstunden
- flexiblere Hausbesuche
- mobile Nutzung von TI-Anwendungen
Gerade für hybride und dezentrale Versorgungsmodelle wird die digitale Identität damit zu einer Schlüsseltechnologie.
Ab Ende 2026 könnte der Ablauf wie folgt aussehen: Ein Patient bucht eine Videosprechstunde in einer ihm bislang unbekannten Praxis. Vor dem Termin erhält er einen QR-Code, den er mit seinem Smartphone scannt. Über seine aktivierte GesundheitsID kann er sich anschließend digital anmelden. Durch den PoPP-Dienst wird daraufhin der Versorgungskontext nachgewiesen. So kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt auf die notwendigen Versichertendaten zugreifen, ohne dass eine elektronische Gesundheitskarte in der Praxis vorgelegt werden muss. Auch die Ausstellung eines E-Rezepts direkt im Anschluss an die Videosprechstunde ist möglich.
Die GesundheitsID vereinfacht somit digitale Versorgungsprozesse und trägt sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Ärztinnen und Ärzte zu einer spürbaren Entlastung im Praxisalltag bei.
Zwischen technischer Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung
Trotz der regulatorischen Einführung Anfang 2024 ist die GesundheitsID bisher noch kein flächendeckender Standard im Versorgungsalltag. Das liegt unter anderem daran, dass viele Prozesse weiterhin auf die bestehende TI-Architektur ausgelegt sind und sich neue Nutzungsmodelle erst schrittweise etablieren.
Hinzu kommt: Digitale Identitäten im Gesundheitswesen müssen nicht nur technisch funktionieren, sondern auch Vertrauen schaffen. Themen wie Nutzerfreundlichkeit und einfache Registrierung spielen deshalb eine zentrale Rolle für die Akzeptanz. Versicherte können die GesundheitsID in der App ihrer Krankenkasse beantragen. Im nächsten Schritt muss die Identität nachgewiesen werden. Je nach Krankenkasse erfolgt dies entweder durch die Online-Funktion des Personalausweises, einem PostIdent Verfahren oder durch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und dem zugehörigen PIN.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie schnell sich die GesundheitsID von einer optionalen Zusatzfunktion zu einem selbstverständlichen Bestandteil digitaler Versorgung entwickelt.
Ein Baustein der TI von morgen
Die GesundheitsID ist weit mehr als ein neuer Login für Gesundheits-Apps. Sie markiert einen grundlegenden Wandel in der Art, wie Identität und Zugriff innerhalb der Telematikinfrastruktur organisiert werden.
Zwar können Versicherte die GesundheitsID bereits seit 2024 nutzen. Ihr volles Potenzial entfaltet sie jedoch erst im Zusammenspiel mit der TI 2.0: einer Infrastruktur, die mobiler, flexibler und stärker softwarebasiert funktionieren soll. Damit wird die GesundheitsID zu einem zentralen Baustein der digitalen Gesundheitsversorgung von morgen.
Mehr Infos zur GesundheitsID: Digitale Identitäten im Gesundheitswesen | gematik
Ihr Ansprechpartner
Janos Frank
Telematikinfrastruktur
Beratung